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Petitionen, Aufrufe: Offener Brief an die Ärzte gegen Tierversuche von Tierbefreiung Hamburg
Veröffentlicht von Administrator am Montag, 16. April 2012
(4877 mal gelesen)

Gast schreibt:
Offener Brief der Gruppe Tierbefreiung Hamburg an die Organisation Ärzte
gegen Tierversuche - „Keine Bühne und kein Forum für Wolfgang Apel“

Liebe Ärzte gegen Tierversuche!


Wie auch im letzten Jahr in Hamburg werden wir uns auch dieses Jahr in
Bremen an der von euch organisierten Demonstration gegen Tierversuche
beteiligen. Bereits im letzten Jahr haben wir unser Unbehagen in Bezug auf
die Teilnahme diverser Tierschutzgruppen zum Ausdruck gebracht. Diese
Kritik begründet sich durch den Reformismus, der dem Tierschutz immanent
ist. Dieser drückt sich in der Forderung der Verbesserung der Ausbeutung
der Tiere aus, wodurch diese lediglich 'verbessert' und infolgedessen
legitimiert wird. Seit jeher hat der Tierschutz das Ziel verfolgt, die
Umstände und Bedingungen der Tierausbeutung zu verbessern, nicht aber, die
Tierausbeutung abzuschaffen. Auf Grund dessen entwickelte sich die
(abolitionistische) Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung, die ein Ende
der Tierausbeutung in jeder Form fordert und der wir uns zugehörig fühlen.

Wir mobilisieren zur Teilnahme an der Demonstration gegen Tierversuche, um
aus unserer (abolitionistischen) Perspektive unseren deutlichen Protest
gegen Tierversuche zum Ausdruck bringen wollen. Darüber hinaus wollen wir
verdeutlichen, dass wir gewillt und entschlossen sind, jede Form der
Nutzung und Ausbeutung von Tieren zu beenden. Unsere Teilnahme an der
Demonstration in Hamburg verstanden wir daher auch als kritische
Intervention mit dem Ziel, unsere Position zu diskutieren und Tierschutz
offensiv, aber respektvoll zu kritisieren.

In diesem Jahr sind wir jedoch gelinde gesagt tief enttäuscht darüber, wem
auf der Demonstration ein Podium geboten wird, denn Wolfgang Apel ist in
diesem Jahr als Redner geführt. Apel ist (nachdem er jahrelang
Leitungstätigkeiten ausgeübt hat) Ehrenpräsident des Deutschen
Tierschutzbundes. Der Deutsche Tierschutzbund gehört zu den
'konservativsten' Vertreten des politischen Tierschutzes und empfiehlt
beispielsweise den Konsum von Fleisch, sofern die Tiere 'artgerecht
gehalten' wurden [2]. Er will sogar ein Gütesiegel für
'tierschutzgerechtes Fleisch' entwickeln [3]! Doch es kommt noch
schlimmer: Apel selbst ist unmittelbar in die Fleischindustrie involviert,
da er Vorstandsvorsitzender von Neuland Fleisch ist. Das bedeutet, dass
Apel persönlich das massenhafte Töten von Tieren legitimiert und bewirbt.
Dass die 'Biohaltung' von Tieren lediglich eine Strategie der Legitimation
von Tierausbeutung ist und dass auch die partielle 'Schonung' von Tieren
vor der Tötung in keiner Weise die Tötung von Tieren an sich rechtfertigen
kann, steht dabei außer Frage.


Wir halten es für einen politischen Skandal, dass mit Wolfgang Apel ein
Vertreter der (Bio-)Fleischindustrie auf einer der größten
Antitierversuchsdemonstrationen sprechen darf.

Es ist für uns unerheblich, ob Apel eingewilligt hat, sich nur zum Thema
Tierversuche zu äußern. Ferner ist es für uns unerheblich, dass Apel eine
gewisse politische Macht in der Bremer Tierschutzbewegung hat. Auch Apels
Erfolge auf kommunaler Ebene nivellieren in keiner Weise seine Tätigkeit
für die Fleischbranche. Die paradoxe Trennung, Gewalt im Kontext von
Tierversuchen zu kritisieren, im Kontext von Fleischproduktion jedoch zu
rechtfertigen, ist für uns absolut nicht nachvollziehbar und politisch
unverantwortlich. Über seine Involviertheit in der Fleischindustrie zu
schweigen bedeutet für uns ein Schweigen über die Gewalt, die den Tieren
dort angetan wird und die Apel offensiv legitimiert. Dass die
Demonstration das Thema Tierversuche fokussiert rechtfertigt für uns noch
lange nicht, dezidierte Gegner der Tierrechtsbewegung als Redner
einzuladen. Die Einladung ist ein offener Affront gegen die Tierrechts-
und Tierbefreiungsbewegung.

Wir sind uns der Stärke und des Vorteils pluralistischer Bündnispolitik
bewusst, weshalb wir selbst uns an der Demonstration beteiligen,
wenngleich wir mit vielen anderen teilnehmenden Organisationen zum Teil
schwerwiegende politische Differenzen haben. Es gibt jedoch eine Grenze
der Kooperation und die ist bei offiziellen VertreterInnen der
Fleischindustrie maßlos überschritten! Dies ist auch der Grund warum wir
uns entschieden haben, unsere Kritik an der Organisation der Demonstration
öffentlich zu machen

Um es vorweg zu sagen und pauschalisierenden Befürchtungen den Wind aus
den Segeln zu nehmen: Wir werden weder die Bühne stürmen, noch anderweitig
die Rede aktiv verhindern. Wir halten es aber für unsere politische
Pflicht, diesen offenen Brief auch während der Rede Apels zu verteilen, um
den anderen DemonstrationsteilnehmerInnen die Möglichkeit zu geben, sich
über Apels Doppelfunktion als Tierschützer und Vertreter der
Fleischbranche zu informieren, da von eurer Seite aus hierzu nirgends ein
Hinweis zu finden ist.

Wir verbleiben mit solidarischen Grüßen und kämpfen weiter für die
Befreiung der Tiere!
Tierbefreiung-Hamburg

[1] http://www.tierbefreiung-hamburg.org/archives/820[2] http://www.tierschutzbund.de/verbrauchertipps_fleisch.html[3] vgl.http://www.welt.de/finanzen/verbraucher/article13824839/Tierschutzbund-plant-Qualitaetssiegel-fuer-Fleisch.html[4] http://www.neuland-fleisch.de/kontakt/impressum.html

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